Mehr als jede zweite Person sagt: Pfand gehört daneben

Mann beim Pfandsammeln (c) SabineSattlegger

Wien/Hamburg, 11. Februar 2025

Was in Deutschland längst Teil des öffentlichen Diskurses ist, bleibt in Österreich bislang unsichtbar: Pfandsammler. Eine repräsentative Umfrage von fritz-kola und dem Meinungsforschungsinstitut TQS liefert erstmals Zahlen und zeigt, dass Pfand mehr ist als ein reines ökologisches Thema. Hochgerechnet[1] sammeln bereits rund 225.000 bis 228.000 Menschen in Österreich Pfandflaschen und -Dosen, um ihr Einkommen aufzubessern. Auch im öffentlichen Raum werden Pfandsammler zunehmend sichtbar: 70 % der Befragten nehmen Pfandsammler regelmäßig wahr, mehr als die Hälfte spricht sich dafür aus, Pfandgebinde neben Mistkübeln abzustellen, um das Sammeln zu erleichtern.

Seit einem Jahr gilt in Österreich das neue Pfandsystem für Dosen und PET-Flaschen, im Februar jährt sich die Erhöhung des Mehrwegglas-Pfands. Die Rückgabequoten steigen, das Bewusstsein für Recycling und den ökologischen Mehrwert nimmt zu. Nun rückt fritz-kola gemeinsam mit seiner Initiative “Pfand gehört daneben” und dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut TQS Research & Consulting einen bislang wenig beachteten Aspekt in den Fokus und veröffentlicht erstmals Zahlen zur sozialen Dimension des Pfandsystems: Hochgerechnet sammeln rund 225.000 bis 228.000 Menschen in Österreich gezielt Pfandflaschen und -Dosen im öffentlichen Raum (4 % der Befragten). Die Motive reichen vom Aufbessern einer zu niedrigen Pension (14 %) und unzureichendem Einkommen aus Erwerbsarbeit (13 %) über Arbeitslosigkeit (6 %) bis hin zur Versorgung der Familie oder dem Erfüllen von Wünschen von Kindern und Enkelkindern (je 8 %). Gesammelt wird dort, wo Pfand anfällt, vor allem auf der Straße (78 %) oder neben Mistkübeln (39 %); 5 % greifen in Mistkübel, weitere 5 % leeren Mülltonnen aus.

„Mit unserer Umfrage liegen erstmals belastbare Daten zur sozialen Dimension des Pfandsammelns in Österreich vor. Gleichzeitig ist von einer noch höheren Dunkelziffer auszugehen, da besonders vulnerable Gruppen wie wohnungslose Menschen kaum erfasst werden. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, sich dem Thema anzunehmen, Lösungen zu entwickeln und die Situation von Pfandsammlern zu verbessern“, betont Pascal Fromme, Head of Sustainability & Public Affairs bei fritz-kola.

Pascal Fromme fritz-kola Head of Sustainability and Public Affairs (c) fritz-kola
Pascal Fromme fritz-kola Head of Sustainability and Public Affairs (c) fritz-kola

Die Mehrheit sagt klar: Pfand gehört daneben

Die Zustimmung in der Bevölkerung ist hoch: 57 % sagen klar, Pfand gehört daneben, 22 % wünschen sich eigene Einrichtungen, lediglich 8 % fühlen sich dadurch gestört. Vor diesem Hintergrund startet fritz-kola die soziale Initiative „Pfand gehört daneben“ nun auch in Österreich. Die Initiative ist seit 2015 ein Teil der fritz-kola GmbH und erinnert die Besitzer leerer Pfandflaschen daran, sie ordentlich neben Abfalleimern abzustellen. Damit wird Pfandsammlern das mühsame und gefährliche Wühlen in Mistkübeln erspart. Zudem landen wichtige Ressourcen wieder im Recyclingkreislauf.

Pfandsammeln ist längst Teil des Alltags

Was bisher kaum thematisiert wurde, ist für viele Menschen in Österreich längst Teil des Alltags. Pfandsammeln ist sichtbar Teil des öffentlichen Raums geworden. 70 % der Befragten geben an, hierzulande beobachtet zu haben, dass Pfandflaschen gezielt gesammelt werden, etwa aus Mistkübeln, von der Straße oder in Lokalen. Die Wahrnehmung ist dabei überwiegend positiv oder empathisch: 29 % sehen Pfandsammler positiv, 34 % empfinden Mitleid, lediglich 9 % geben an, sie zu ignorieren und 2 % nehmen sie negativ wahr. Die Zahlen zeigen, dass Pfandsammler im öffentlichen Raum überwiegend auf Verständnis stoßen, ein gesellschaftliches Klima, an das Initiativen wie „Pfand gehört daneben“ anknüpfen können.

Mann beim Pfandsammeln in Tonne (c) SabineSattlegger
Mann beim Pfandsammeln in Tonne (c) SabineSattlegger

92 % verdienen weniger als 50 Euro

Die vorliegenden Zahlen zeigen, dass Pfandsammeln in Österreich eng mit finanziellen Belastungen verbunden ist und nur ein überschaubares Einkommen erbringt ist. 92 % der Pfandsammler geben an, mit dem Sammeln von Pfandflaschen weniger als 50 Euro pro Monat zu verdienen. Ein Betrag, der niemanden reich macht, für viele jedoch einen spürbaren Unterschied bedeutet. Für 3 % ist Pfandsammeln sogar die einzige Einkommensquelle. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie eng das Thema mit aktuellen Lebensrealitäten verknüpft ist: 15 % der Befragten geben an, erst aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten mit dem Pfandsammeln begonnen zu haben, weitere 14 % sammeln heute häufiger als früher.

„Uns ist bewusst, dass unsere Initiative Armut nicht lösen kann. Aber wir können sichtbar machen, was das Pfandsystem im Alltag bedeutet, und Verantwortung dort übernehmen, wo es konkret wird. Entweder wir stellen Pfandflaschen daneben oder wir akzeptieren, dass Menschen im Müll wühlen auf der Suche nach Geld. Genau hier setzt unsere Initiative an“, sagt Fromme. Das neue Pfandsystem verändert nicht nur Recyclingquoten, sondern auch die Wahrnehmung sozialer Ungleichheiten im öffentlichen Raum. „Pfand gehört daneben“ versteht sich vor diesem Hintergrund als Zeichen für einen respektvollen und solidarischen Umgang im Alltag.


[1] Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung von 1.000 Personen der internetaffinen Bevölkerung ab 16 Jahren. Personen ohne stabilen Internetzugang, darunter auch wohnungslose Menschen, sind nicht erfasst. Die tatsächliche Zahl von Pfandsammlern könnte daher höher liegen. Die statistische Schwankungsbreite des Prozentwerts beträgt ±3 Prozentpunkte.