Während viele Menschen neue Gewohnheiten mit dem Jahreswechsel verbinden, bieten sich gerade im Sommer günstige Voraussetzungen, um neue Routinen zu etablieren. Die Verhaltensforschung zeigt: Langfristige Gewohnheiten gelingen selten durch große Vorsätze, sondern durch kleine Anpassungen im Alltag. „Österreich radelt“ zeigt, warum Radfahren dafür besonders geeignet ist und welche Rolle sichtbare Fortschritte dabei spielen.
Während der Jahreswechsel oft mit hohen Erwartungen und einer Vielzahl an Vorsätzen verbunden ist, sind die Sommermonate meist weniger von Leistungsdruck geprägt. Aus Sicht der Verhaltensforschung spricht daher einiges dafür, neue Gewohnheiten gerade jetzt auszuprobieren. „Viele Menschen glauben, dass der 1. Jänner der ideale Zeitpunkt für Veränderungen ist“, sagt Verhaltensökonomin Dr.in Katharina Gangl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen. „Tatsächlich sind es aber nicht Kalenderdaten, die über den Erfolg entscheiden, sondern günstige Rahmenbedingungen. Der Sommer oder auch die Zeit nach dem Urlaub, bevor man wieder in die Alltagsroutinen übergeht, bieten dafür ideale Voraussetzungen: Der Alltag wird ohnehin neu strukturiert, und lange Tage sowie angenehmes Wetter erleichtern den Einstieg. So entstehen positive Veränderungen oft einfacher als mit einem Neujahrsvorsatz.“
Der Alltag als Schlüssel zur Veränderung
Statt zusätzliche Zeit für Sport einzuplanen, kann etwa der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Badesee mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Der Weg findet ohnehin statt – lediglich die Art der Fortbewegung verändert sich. Der Autor James Clear beschreibt dieses Prinzip als „Habit Stacking“: Neue Gewohnheiten lassen sich leichter etablieren, wenn sie an bereits bestehenden Routinen anknüpfen. „Wer das Fahrrad in alltägliche Wege integriert, senkt die Hürden für Veränderung erheblich“, so Dr.in Katharina Gangl. „Entscheidend ist die Wiederholung – sie macht aus einer einzelnen Entscheidung eine Gewohnheit.“
Warum sichtbare Fortschritte motivieren
Neben einem einfachen Einstieg brauchen Menschen vor allem eines: das Gefühl, voranzukommen. Sichtbare Fortschritte und erreichbare Zwischenziele erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen ein neues Verhalten langfristig beibehalten. Genau darauf setzt „Österreich radelt“. Bei der größten Radfahr-Challenge des Landes, die vom Mobilitätsministerium gemeinsam mit den teilnehmenden Bundesländern unterstützt wird, können Teilnehmende ihre gefahrenen Kilometer einfach mit der „Österreich radelt“-App und via Website erfassen oder automatisch mit gängigen Sport-Apps synchronisieren. Die zurückgelegten Strecken werden sichtbar, persönliche Meilensteine dokumentiert und regelmäßiges Radfahren mit Trophäen belohnt.
Gamification: Warum Sammeln motiviert
Beim „Sommerradeln“ von „Österreich radelt“, das bis 12. September läuft, kommt ein weiterer Mechanismus der Verhaltensforschung hinzu: das Sammeln. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann virtuell Orte in ganz Österreich entdecken und einsammeln. „Gamification funktioniert nicht deshalb, weil Erwachsene plötzlich spielen wollen“, erklärt Dr.in Katharina Gangl. „Sie funktioniert, weil sie Fortschritte sichtbar macht, Orientierung gibt und Erfolgserlebnisse schafft.“
Aus Kilometern werden Gewohnheiten
Mit Kilometeraufzeichnungen, Trophäen, persönlichen Zielen und Statistiken schafft „Österreich radelt“ spielerisch genau jene Rahmenbedingungen, die Verhaltensforscher als förderlich für nachhaltige Veränderungen beschreiben. Im Mittelpunkt stehen nicht sportliche Höchstleistungen, sondern die Integration von Bewegung in den Alltag. Jeder mit dem Fahrrad zurückgelegte Weg kann ein kleiner Schritt in Richtung einer neuen Gewohnheit sein. So werden aus einzelnen Kilometern neue Routinen und aus Routinen langfristige Gewohnheiten. Vielleicht ist der beste Zeitpunkt für Veränderung also schon heute – und nicht erst der 1. Jänner.
Alle Informationen zum Mitmachen und zur Anmeldung bei „Österreich radelt“: www.radelt.at
Über Österreich radelt
„Österreich radelt“ ist eine seit 2019 stattfindende Motivations- und Bewusstseinsbildungskampagne, die vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) im Rahmen der Initiative klimaaktiv mobil und allen teilnehmenden Bundesländern getragen wird. Die Aktion motiviert Teilnehmende dazu, über die „Österreich radelt“-Webseite www.radelt.at bzw. über die „Österreich radelt“-App die von ihnen geradelten Kilometer zu dokumentieren und dadurch an attraktiven Gewinnspielen teilzunehmen. Mitmachen können sowohl Einzelpersonen als auch Betriebe, Vereine, Bildungseinrichtungen oder Gemeinden.
