Wien, 17. Februar 2026
Mehr als 400 heimische Top-Managerinnen und Aufsichtsrätinnen sind Mitglied des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs (ZFAC). Quartalsweise erhebt der ZFAC mit einer internen Umfrage ein Stimmungsbild. Die Ergebnisse des vierten Quartals 2025 verdeutlichen, dass die heimische Wirtschaft von einer Gleichstellung der Geschlechter weit entfernt ist: In 46 Prozent der befragten Unternehmen sind keine Frauen auf Vorstandsebene vertreten. Gleichzeitig sind 88 Prozent der Meinung, dass Frauen in Führungspositionen neue Themen und Sichtweisen einbringen.
Laut aktueller Umfrage des Zukunft.Frauen Alumnae Club (ZFAC), die unter den 400 Mitgliedern durchgeführt wurde, berufen 46 Prozent der Unternehmen keine Frauen in ihren Vorstand. Besonders schlecht fällt die Frauenquote bei Banken und Versicherungen sowie Industrie und Produktion aus. Die Aufsichtsräte der befragten Unternehmen sind zu 19 Prozent rein männlich besetzt. Hoffnung machen die erste und zweite Führungsebene, auf der die Geschlechterverteilung deutlich ausgeglichener ist. Immerhin sind in 52 Prozent der Unternehmen mehr als 25 Prozent der Geschäftsführer:innen weiblich. Darüber hinaus geben 49 Prozent der Befragten an, dass es ein erklärtes Unternehmensziel sei, mehr Frauen in der ersten oder zweiten Führungsebene zu positionieren. Dieses Ziel versuchen 43 Prozent der Unternehmen mit Programmen und Initiativen zur Bewusstseinsbildung zu erreichen. Aufholbedarf verorten die Mitglieder des ZFAC bei der Themensetzung in den heimischen Aufsichtsräten: Besonders intensiv werden dort aktuell Unternehmensstrategien vorangetrieben (30,5 Prozent). 23,2 Prozent beschäftigen sich vor allem mit der Digitalisierung, 15,8 Prozent mit Standortpolitik. 10,3 Prozent der Aufsichtsrät:innen befassen sich mit ESG. Mit Diversität und Gleichstellung beschäftigen sich lediglich drei Prozent der Aufsichtsratsgremien. Gleichzeitig geben 88 Prozent der Befragten an, dass Frauen in Führungspositionen neue Themen und Sichtweisen in Diskussionen einbringen.
„Obwohl fast die Hälfte der Unternehmen klare Ziele oder Initiativen zur Förderung von Frauen nennt, ist Gender-Diversität immer noch ein Randthema. Umso deutlicher ist die Wahrnehmung der Wirkung heterogener Teams. Eine überwältigende Mehrheit bestätigt, dass Frauen neue Perspektiven und Themen in Führung und Aufsicht einbringen – von Leadership-Kultur über die Art und Tiefe von Entscheidungen, mehr Dimensionen in der Analyse, kritischere Diskussionen und höhere Transparenz. Unternehmen, die unsere Zukunft verantwortungsvoll gestalten wollen, müssen Diversität als strategischen Steuerungsfaktor begreifen – nicht als freiwillige Begleiterscheinung“, sagt Karen Fanto, Vorstandsvorsitzende des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs. Rückenwind bekommt Fanto unter anderem von der Österreichischen Nationalbank. In ihrer Studie „Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance?” beschreiben die beiden ÖNB-Experten Michael Sigmund und Mario Hübler, dass Frauen in Aufsichtsräten signifikant positive Auswirkungen auf Profitabilität, Marktentwicklung, Risikoprofil und Wachstumsraten von Unternehmen haben.
Bürokratieabbau und Homeoffice
Der Großteil der befragten Managerinnen schätzt die wirtschaftliche Situation kurzfristig als stabil ein, sieht aber langfristig Handlungsbedarf. Für 27 Prozent der Befragten ist die Bürokratie das größte Risiko in der Wettbewerbsfrage. 20 Prozent sehen geopolitische Unsicherheiten und 18 Prozent den Fachkräftemangel als Hindernis beim Wachstum. Governance-Regelwerke werden ambivalent gesehen – zwischen notwendiger Orientierung und übermäßiger Bürokratie. 24 Prozent geben an, dass Governance zu komplex ist und zu Selbstbeschäftigung führt, nur 15 Prozent sehen darin eine klare Hilfe. Eine Risikominimierung und damit Wachstumschancen verorten die Managerinnen in strukturellen Reformen.
Homeoffice ist in 78 Prozent der heimischen Unternehmen gelebte Praxis: durchschnittlich arbeiten in 54 Prozent der Unternehmen die Mitarbeitenden zwei Tage pro Woche remote. 40 Prozent sehen durch Homeoffice keine wesentliche Veränderung, 28 Prozent bewerten den neuen Arbeitsalltag als positiv, 27 Prozent kritisieren negative Auswirkungen auf den Austausch und das Teamgefühl.
