Neue Studie zeigt: Jede:r Fünfte will Stillende aus dem öffentlichen Leben verbannen

Weltstillwoche 2025_Still-Stand am Wiener Heldenplatz c Adrian Almasan

Wien, am 15. Juli 2025

„Die Brust gehört nicht in den öffentlichen Raum.“ Was klingt wie ein übergriffiger Kommentar, entspricht laut einer neuen repräsentativen Studie der Haltung von rund jeder fünften befragten Person in Österreich. Knapp ein Fünftel empfindet das Stillen sogar als „unhygienisch“, ein harter Kern will stillende Mütter ganz aus dem öffentlichen Leben verbannen. Dabei hält keine einzige Mutter öffentliches Stillen für unangemessen. Die gesellschaftliche Realität: Wer stillt, wird diskriminiert. Sichtbares Stillen gilt vielen nicht als Versorgung eines Grundbedürfnisses, sondern wird sexualisiert. MAM Babyartikel zieht Konsequenzen und ruft am 07. August 2025 zum „Still-Stand“ am Wiener Heldenplatz auf.

Während Männer im Sommer oberkörperfrei durch die Stadt joggen, wird die weibliche Brust zum Problem – zumindest dann, wenn es um die Versorgung eines Babys geht. Eine neue, repräsentative Umfrage im Auftrag von MAM Babyartikel[1] zeigt, wie tief verwurzelt die gesellschaftliche Doppelmoral ist: Knapp ein Fünftel (19 %) der Befragten lehnt sichtbares Stillen in der Öffentlichkeit grundsätzlich ab, weitere 19 % empfinden es als unappetitlich oder unhygienisch. Und obwohl keine einzige Mutter öffentliches Stillen für unangemessen hält, wollen 3 % der Bevölkerung stillende Mütter komplett aus dem öffentlichen Leben verbannen. Das spiegelt sich auch im Alltag wider: Stillende werden „von Männern angestarrt“, „vom Platz verwiesen“ oder „auf die Toilette verdonnert“ – zwei von drei Müttern erlebten bereits negative Reaktionen[2]. Die Konsequenz: Mütter, die ein Grundbedürfnis ihres Kindes stillen wollen, sollen sich zurückziehen oder auf die Toilette ausweichen. Jetzt setzt MAM Babyartikel gemeinsam mit dem Hebammenzentrum Wien am 07. August ein klares Zeichen und fordert: Stillende Mütter dürfen nicht diskriminiert werden – das Stillen in der Öffentlichkeit muss ausdrücklich erlaubt sein, ohne sexualisiert zu werden oder schambehaftet zu sein.

Mehr als ein Drittel gegen Stillen in der Öffentlichkeit

Was stillende Mütter täglich erleben, spiegelt sich deutlich in den Zahlen wider: Die Diskriminierung von Stillenden kommt nicht nur vereinzelt vor – sie zieht sich durch alle Altersgruppen und Geschlechter. Nur 57 % der Befragten befürworten das Stillen in der Öffentlichkeit, mehr als ein Drittel lehnt es ab. In bestimmten Gruppen fällt die Zustimmung noch deutlich geringer aus: Unter kinderlosen Personen liegt sie nur bei 53 %, bei Befragten zwischen 40- bis 65-Jährigen sinkt die Zustimmung lediglich auf 52 %. Die Zahlen zeigen deutlich: Wer selbst nicht betroffen ist, zeigt weniger Verständnis.

„Wir kennen die Zahlen, wir kennen die Erfahrungsberichte – und wir erleben seit drei Jahren, wie wenig sich trotz aller Aufklärung ändert. Stillende Mütter werden diskriminiert, weil es im öffentlichen Raum keine klaren Regeln dazu gibt. Diese Unsicherheit betrifft nicht nur die Mütter selbst, sondern das gesamte gesellschaftliche Klima. Stillen muss endlich ausdrücklich erlaubt, Diskriminierung verboten werden. Es braucht ein klares Schutzgesetz – und den politischen Willen, es umzusetzen”, sagt Georg Ribarov, Country Manager Austria bei MAM.

Zwischen Unsichtbarkeit und Vernachlässigung: Wo „darf“ Mama ihr Baby stillen?

Ein Drittel (29 %) der Befragten ist der Meinung, stillen an öffentlichen Plätzen ist in Ordnung solange die Mutter sich dabei bedeckt – eine Erwartung, die suggeriert, dass es sich um etwas handelt, das versteckt werden müsse. Mehr als jede:r Zehnte (11 %) meint sogar, dass Stillen nur dann „akzeptabel“ ist, wenn sich Mütter dazu in einen nicht einsehbaren Ort, wie etwa die Toilette oder eine separierte Ecke, begeben. „Stellen wir uns vor, ein Erwachsener müsste zum Essen im Lokal aufs Klo ausweichen – völlig undenkbar. Aber stillende Mütter und ihre Babys werden genau dazu gedrängt“, kommentiert Sabrina Krejan, Marketing Managerin bei MAM. Das traurige Schlusslicht: 5 % der Männer und 2 % der Frauen geben an, dass ausschließlich in den eigenen vier Wänden gestillt werden soll – und verbannen Mamas damit aus dem öffentlichen Leben. „Die Bedürfnisse eines Babys müssen unmittelbar gestillt werden, damit es sich gesund entwickeln kann“, so Hebamme Kyra Caruso, Geschäftsführerin des Hebammenzentrum Wien, „Jede Person, die das Stillen in der Öffentlichkeit nicht an jedem Ort als vollkommen in Ordnung empfindet, zwingt Mütter in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit oder zur Vernachlässigung ihres Babys“.

Österreich braucht ein Schutzgesetz – und ein klares Signal

Trotz der gesellschaftlichen Spannungen ist eines klar: Die Mehrheit sieht Handlungsbedarf. Drei von vier Befragten (75 %) befürworten einen gesetzlichen Schutz für stillende Mütter im öffentlichen Raum – unter jungen Menschen unter 30 sind es sogar 85 %. „Eine gesetzliche Erlaubnis, öffentlich zu stillen, kann das psychische Wohlbefinden von stillenden Müttern stärken, indem sie das Gefühl von Sicherheit und gesellschaftlicher Akzeptanz erhöht. Ein klarer rechtlicher Schutz beeinflusst nicht nur das Verhalten der direkt Betroffenen, sondern auch ihr Umfeld – die Akzeptanz und Unterstützung in der Bevölkerung kann steigen sowie die Wahrscheinlichkeit für Diskriminierungen sinken“, erklärt die klinische Psychologin Mag. Sanja Prochazka-Piplica. Besonders hoch ist die Zustimmung unter jenen, die die Ausgrenzung selbst erlebt haben: 80 % der Mütter unterstützen entsprechende Schutzmaßnahmen. Auch die Wahrnehmung ist eindeutig: 79 % der Bevölkerung gehen davon aus, dass Stillende in der Öffentlichkeit negative Reaktionen erleben. Doch diese breite Zustimmung geht oft mit Unsicherheit einher: Wo ist Stillen überhaupt angemessen? Was ist erlaubt? Genau hier fehlt es in Österreich an klaren politischen Rahmenbedingungen – während andere Länder wie Schottland bereits seit 2005 gesetzlich regeln, dass das Stillen im öffentlichen Raum nicht behindert werden darf. MAM Babyartikel setzt dieser Unsicherheit ein Zeichen entgegen: Mit dem „Still-Stand“ am 7. August im Rahmen der Weltstillwoche macht das Unternehmen sichtbar, was längst selbstverständlich sein sollte – dass Stillen überall erlaubt ist, gesetzlich geschützt gehört und kein Ort der Welt unangemessen sein darf, wenn ein Baby Hunger hat.

Still-Stand am Heldenplatz

Um auf das Problem aufmerksam zu machen initiiert MAM gemeinsam mit dem Hebammenzentrum Wien die Aktion Still-Stand. Eltern und Unterstützer:innen demonstrieren gemeinsam für die Rechte von Babys sowie für einen umfangreichen Diskriminierungsschutz stillender Mütter.


[1] Die Umfrage wurde von MAM Babyartikel und TQS-Research & Consulting KG durchgeführt. Juni 2025, n = 1.000 Personen in Österreich.

[2] 2023: 6.419 Mütter aus dem DACH-Raum, 2022: 1.914 Mütter aus dem DACH-Raum