Wien, 27. November 2025
Wer derzeit ein Volksschulkind in der 3. oder 4. Klasse hat, kennt wohl das Gefühl der elterlichen Überforderung, das mit diesen Fragen einhergeht: Wie finde ich die richtige Schule für mein Kind? Gymnasium oder Mittelschule? Sprachenschwerpunkt oder Informatik? Ganztagsschule? Warteliste? Aufnahmekriterien? Und überhaupt: Wann und von wem wird diese Entscheidung am besten getroffen? Die Schülerhilfe Österreich kennt diese Sorgen und liefert die wichtigsten Tricks und Tipps für Eltern und Kinder, um dieser Entscheidung mit ruhigem Kopf zu begegnen.
Allem voran: „Treffen Sie die Entscheidung nicht allein!“
Das ist der Hauptaspekt, um Eltern zu entlasten und den Schulübertritt als Familie zu meistern. „Nicht allein“ bedeutet dabei unter anderem, dass Kinder in die Wahl der Schule einbezogen werden sollten, jedoch nicht im selben Ausmaß, wie die Eltern. „Die Auswahl von Kindern verläuft nach völlig anderen Kriterien, als die der Erwachsenen. Hier steht oft der Einfluss von Freunden oder der Schulweg weit vorne. Das ist zwar auch wichtig, aber eben nur ein Teil der Entscheidung“, weiß Markus Kalina, Regionalleiter der Schülerhilfe Österreich aus Erfahrung. Seine Empfehlung: „Treffen Sie eine Vorauswahl an Schulen, die für Sie in Frage kommen allein. Achten Sie darauf, dass es am Ende maximal drei Möglichkeiten für Ihr Kind gibt, besser wären zwei. Alles andere ist für Kinder überfordernd. Zwischen diesen beiden Schulen kann das Kind dann im zweiten Schritt selbstbestimmt wählen – und erhält so das Gefühl, Teil der Entscheidung zu sein. Das stärkt das Engagement und das Selbstbewusstsein“.
Klassenlehrer:innen oder Nachhilfe-Profis um Einschätzung bitten
Um zu klären, welche Schule am besten für das Kind geeignet ist, gibt es mittlerweile sogar eigene „Schulscouts“, die beauftragt werden können. Wem das nicht gefällt, der kann aber auch einfacher zu einer zweiten Fachmeinung über das Lernpotenzial kommen: „Sprechen Sie mit dem/der Klassenlehrer:in oder mit dem/der Nachhilfe-Lehrer:in und bitten Sie um eine Einschätzung, in welcher Art von Schule Ihr Kind gut aufgehoben wäre“, empfiehlt Kalina. Bei der Schülerhilfe Österreich wird beispielsweise zu Beginn der Betreuung eine Lerntypen-Diagnose und ein Fachcheck durchgeführt, welcher individuelle Stärken aufzeigt und Rückschlüsse auf den Lerntyp des Kindes zulässt. Lernt das Kind eher durch Modelle und Praxisbezug, auditiv oder visuell? „Gerade bei Nachhilfe-Lehrer:innen, die Kinder schon über längere Zeit hinweg begleiten, ist oft geballtes Wissen gebunkert, das Eltern bei der Entscheidung helfen kann. Das heißt ja nicht, dass Sie der Empfehlung folgen müssen, aber der Input kann wertvoll sein und enthält meist zusätzliche Perspektiven.“ Inhaltlich empfiehlt es sich, bereits in der 3. Klasse mögliche Lernlücken der Kinder im Auge zu haben, um diese rechtzeitig durch gezielte Nachhilfe zu schließen und so den Schulübertritt nach der 4. Klasse möglichst sanft zu gestalten!
Der richtige Zeitpunkt?
Allgemein rät der Nachhilfe-Profi davon ab, Kinder zu früh mit der Entscheidung der weiterführenden Schule zu konfrontieren. „Kinder leben stärker im Hier und Jetzt als Erwachsene. Eine Entscheidung zu treffen, deren Umsetzung erst zwei Jahre später erlebt wird, ist für die meisten in diesem Alter überfordernd“, so Kalina.
Er kennt jedoch auch den immer größer werdenden Druck auf Eltern, sich immer früher mit der Schulentscheidung auseinandersetzen sollen. „Das ist leider ein unschöner Nebeneffekt unserer Leistungsgesellschaft“, so Kalina. Er empfiehlt Eltern, sich zuerst allein mit dem Thema Schulübertritt auseinandersetzen und so Zeit zu „gewinnen“, dies jedoch erst später mit dem Kind zu besprechen. Vor allem, wenn die Schule Aufnahmeverfahren oder Anmeldetermine hat, ist es empfehlenswert, dies rechtzeitig herauszufinden. „In Österreich ist es zum Glück nicht üblich, dass die Schulauswahl durch das „First-Come-First-Serve“-Prinzip entschieden wird. Jedoch haben die meisten Schulen verbindliche Fristen, die es zu wissen gilt und deren Einhaltung über die Aufnahme entscheidet“.
Druck aus der Entscheidung nehmen
Den auf Eltern und Kinder steigenden Druck in Bezug auf die Schulwahl sieht der Lernprofi mit langjähriger Erfahrung eher kritisch: „Der Umstieg von der Volksschule auf die weiterführende Schule ist aus pädagogische und emotionaler Sicht ohnehin ein großer Schritt. Für die Kinder bedeutet das nicht nur einen Wechsel vom Gesamtunterricht zu Fächern mit modularem Aufbau, sondern ist oft auch mit einem wechselnden Freundeskreis verbunden.“ Daher wäre es gut, den Druck aus dem „Stresskessel“ so gut wie möglich rauszunehmen und der Schulwahl nach der Volksschule keine übermäßige Bedeutung beizumessen. „Hier wird die Karriere der Kinder nicht entschieden. Aber strukturierte Übergänge und eine längerfristige Vorbereitung durch Eltern oder Nachhilfe-Profis können dabei helfen, diese Veränderung besser zu meistern“, weiß der Regionalleiter auch aus Erfahrung als Vater.
