Widerspruch erwünscht: Teamkultur als Wachstumsbooster

qualityaustria Forum vl Paar Landherr Neumann Mondl (c) AnnaRauchenberger

Salzburg/Wien, 19. März 2026

Am Mittwoch, den 18. März 2026 fand das 31. qualityaustria Forum im Salzburg Congress statt. Rund 800 Vertreter der österreichischen Wirtschaft folgten der Einladung von Quality Austria, um die Frage nach Wachstum und Qualität in volatilen Zeiten zu diskutieren. Einig waren sich die Expertinnen und Experten wie Patricia Neumann (CEO Siemens AG Österreich) oder Bernhard Neuhold (GF ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH) darin, dass eine offene Unternehmens- und Teamkultur für das Wachstum entscheidend ist.

Einmal im Jahr lädt Quality Austria heimische Wirtschaftsakteure nach Salzburg, um aktuelle Entwicklungen und Trends im Bereich der Qualitätssicherung zu beleuchten. Im Zentrum des 31. qualityaustria Forums standen der Mensch und das Team. Denn gerade in Zeiten von KI und fortschreitender Automatisierung wird klar, dass die Unternehmenskultur über die Qualität und das Wachstum von Organisationen entscheidet. „Ein guter Einzelner gewinnt Spiele. Ein gutes Team gewinnt Meisterschaften. Sowohl die Unternehmens- als auch die Teamkultur sind heute spielentscheidend. Gemeinsame Ziele und klare Rollen, eine offene Kommunikation und eine gelebte Feedbackkultur fördern den unternehmerischen Erfolg, erhöhen das Produktivitätswachstum und können zu einem höheren Return on Investment führen. Managementsysteme bilden die Basis für erfolgreiche Unternehmenskulturen“, sagten die beiden Co-Geschäftsführer der Quality Austria Holding, Dr. Werner Paar und Mag. Christoph Mondl, in ihrem Eröffnungsvortrag.

Teamkultur als Performancefaktor
In Zeiten hoher Dynamik und Komplexität entscheidet nicht mehr nur die Fachkompetenz Einzelner über Qualität, sondern vor allem, wie offen Teams miteinander arbeiten. Ein zentraler Faktor ist die psychologische Sicherheit. In einer Umgebung, in der Menschen Risiken ansprechen, Fragen stellen und ohne Angst vor Bloßstellung Fehler sichtbar machen können, arbeiten sie produktiver. Studien zeigen, dass Teams mit hoher psychologischer Sicherheit langfristig besser performen. „Qualität entsteht nicht nur in Prozessen und Normen, sondern im Verhalten von Teams. Dort, wo Menschen sich trauen, Probleme und Fehler früh anzusprechen und voneinander zu lernen, entsteht echte Qualität“, sagte Daniela Landherr, Founder & CEO von The Human Space, in ihrer Keynote. Nachhaltige Qualität und Wachstum können sich nur entfalten, wenn Lernen möglich ist: Fragen, Feedback und konstruktiver Widerspruch sind Zeichen für eine gute Unternehmenskultur.

Dass die Teamkultur über den Erfolg entscheidet, bestätigte auch Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH: „In komplexen Strukturen entscheiden die handelnden Personen auf allen Ebenen über den Erfolg einer Organisation. Eine klare Strategie in Verbindung mit einer Priorisierung von Themen ist unabdingbar, um im nationalen und internationalen Vergleich reüssieren zu können.“ Neuhold sprach in seiner Keynote über die Komplexität ganzheitlichen Denkens in föderalen Systemen. Optimierung in der Spitze dürfe dabei kein Widerspruch zur Förderung der Breite sein.

Von der Teamkultur zur Growth Culture
Menschen und Teams brauchen Orientierung auf Basis von Regeln. In der Antike und im Mittelalter gaben Zünfte die Qualitätsregeln vor. Die Industrialisierung des 19. und 20. Jahrhunderts brachte Endkontrollen durch Inspektoren. Erst seit den 1980ern wird Qualitätsmanagement als Managementaufgabe verstanden. Infolgedessen haben sich Managementsysteme etabliert, weiterentwickelt und sichern heute die Qualität in Unternehmen und Organisationen. „Wachstum braucht Struktur. Historisch bildet die ISO 9001 das Rückgrat aller Managementsysteme. In den 2000ern wurde das ISO-Universum erweitert und wir haben uns von der Qualitätskontrolle zum Qualitätsmanagement weiterentwickelt. Daraus kann eine Qualitätskultur entstehen, die für das Wachstum unerlässlich ist. ‚Structure follows strategy‘ gilt in weiterer Folge auch hier“, erläuterte Thomas Waldner, Product Management Quality bei Quality Austria. „Die Herausforderung für Organisationen ist es, das implementierte Managementsystem so zu gestalten, dass es gut anwendbar und offen ist und auf allen Ebenen wirkt – unabhängig von der Herkunft der Anforderungen wie Qualität, Umwelt, Recht, Compliance, Energie oder Gesetzen und Verordnungen. Kurz gesagt: alle Anforderungen, alle Quellen, aber ein Managementsystem“, so Waldner abschließend.

Eine Kultur des Wachstums und der Veränderung sieht auch Patricia Neumann, CEO der Siemens AG Österreich, als Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Die international erfolgreiche Managerin setzt einen Fokus auf Eigenverantwortung, Leadership und Flexibilität, wodurch Mitarbeitende zu autonomen Entscheidungen empowert werden. Denn gerade in volatilen Zeiten ist eine schnelle Anpassung an Marktveränderungen nur durch eine offene Unternehmenskultur möglich. Das betrifft auch neue technologische Entwicklungen, die Eingang in die gemeinsame Unternehmensvision finden müssen. So reduzieren etwa automatisierte Prozesse die Komplexität und steigern die Produktivität. Die Integration von KI-Technologien in die Unternehmensabläufe geht noch einen Schritt weiter, macht die Entwicklung skalierbar und ermöglicht zukunftssichere Lösungen. Entscheidend sind für die Topmanagerin agile Strukturen, die schnelle Umsetzungsprozesse ermöglichen. „Wenn wir über Transformationen sprechen, dann sprechen wir über Menschen, Prozesse und Ideen. Wachstum ist nichts Kurzfristiges oder eine vorrübergehende Phase, sondern ein langfristiger und beständiger Prozess. Eine Growth Culture bedeutet, Veränderungen bewusst zu führen und dabei Innovation gezielt voranzutreiben“, so Patricia Neumann.

Fazit: Wachstum bedeutet besser zu werden
Die Expertinnen und Experten des 31. qualityaustria Forums sind sich einig: Wachstum beginnt bei den Menschen – vor allem dort, wo sie vertrauen, lernen und sich entfalten dürfen. Damit nachhaltiges Wachstum gelingt, brauchen Teams neben der gemeinsamen Kultur auch die notwendigen Werkzeuge. Die Kombination aus menschlicher Arbeitskraft, integriertem Managementsystem und einer gelebten Unternehmenskultur führt zu langfristigem und gesundem Wachstum. Dabei bedeutet Wachstum nicht zwangsläufig, immer größer zu werden, sondern vor allem besser. Denn nur mit einem nachhaltigen und glaubwürdigen Qualitätsversprechen können der österreichische und der europäische Wirtschaftsstandort gesichert werden.