Wien, 13. Oktober 2026
Auf den Punkt gebracht
Wie verändert Künstliche Intelligenz das Bankgeschäft – und was bedeutet das für Regionalbanken in Österreich? Die Analyse „Das Ende des klassischen Retailbankings: Wie KI die Spielregeln neu schreibt“ der Strategie-, Management- und IT-Beratung zeb zeigt, wie KI Kundenkontakt, Prozesse und Kostenstrukturen verändert. Himmelhoch unterstützt zeb mit Medienarbeit.
- Digitale Services sind für 70 Prozent der Bankkunden über alle Altersgruppen hinweg von großer Bedeutung.
- 77 Prozent der Banken in Deutschland hatten im Vorjahr GenAI-Anwendungen im Einsatz oder pilotiert.
- KI-getriebene Automatisierung kann Regionalbanken helfen, ihre Cost-Income-Ratio zu verbessern.
- Die zeb-Experten beziffern den KI-bedingten Produktivitätszuwachs im Softwareengineering auf 20 bis 45 Prozent.
- Für die KI-Integration nennt zeb klare Verantwortlichkeiten, strategische Priorisierung und standardisierte, abteilungsübergreifende Prozesse als entscheidende Voraussetzungen.
Schon heute nutzen 70 Prozent der Bankkunden digitale Services. Dieser strukturelle Wandel wird sich durch den Einsatz von KI weiter beschleunigen. Eine Entwicklung, die Regionalbanken besonders betrifft. KI-getriebene Automatisierung von Prozessen kann zur nachhaltigen Verbesserung ihrer Cost-Income-Ratio beitragen – und dazu, die Konkurrenz der Neobanken in die Schranken zu verweisen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In Österreich haben die beiden digitalen Neobanken Revolut und trade republic, laut eigenen Angaben, jeweils bereits 250.000 Kunden. Die ursprünglich aus München stammende Banking und Investment-Plattform Scalable Capital, die auch in Wien einen Standort hat, verweist europaweit auf mehr als eine Million Kunden. Die Direktbank N26 verzeichnete zuletzt europaweit 5,6 Millionen Kunden. Tendenz weiter steigend. In Deutschland wird bereits jedes zweite Girokonto bei einer Direkt- oder Neobank eröffnet.
Die digitalen Banken fordern die traditionellen Retailbanken wie selten zuvor. Und diese kontern unter anderem mit dem Einsatz von KI: 77 Prozent der Banken in Deutschland hatten im Vorjahr GenAI-Anwendungen im Einsatz oder pilotiert, 88 Prozent der deutschen Banken nutzen KI bereits im Kundenkontakt. 28 Prozent der Deutschen können sich vorstellen, KI für die Finanzplanung zu nutzen. Das sind einige der zentralen Erkenntnisse der aktuellen zeb-Analyse „Das Ende des klassischen Retailbankings: Wie KI die Spielregeln neu schreibt“.
Selbst, wenn es für Österreich allein noch keine vergleichbaren Untersuchungen gibt, ist eines klar: Auch hierzulande wird KI das bisherige Geschäftsmodell der Banken revolutionieren. Schritt eins ist die Digitalisierung des Bankgeschäfts, in der Kunden die jeweiligen Bank-Apps nutzen. Schritt zwei ist das kontextbasierte, intelligente Banking: Hier kommt die Bank zum Kunden und unterstützt bei finanziellen Entscheidungen – Schlagwort Invisible Banking. Simon Mühlon, Manager bei zeb: „Die Bank der Zukunft ist im Alltag ihrer Kunden nahezu unsichtbar – dafür muss KI vom ergänzenden Werkzeug zum Betriebssystem der Bank werden.“ Im Marketing etwa wird dies dazu führen, dass die pauschale Ansprache durch zielgruppenorientierte Werbekampagnen, wie sie heute noch Alltag ist, von der Hyperpersonalisierung und der eigenständigen Bedarfserkennung abgelöst wird.
KI-gestütztes Tool ermöglicht Baufinanzierung in 30 Minuten
Schon jetzt integrieren internationale Banken verstärkt KI-gestützte Funktionen in Apps und interne Prozesse. Die ING etwa beschleunigt mit „Instant-Baufi“ seit dem Frühjahr 2026 den Baufinanzierungsprozess deutlich. Dabei erstellt die KI aus amtlichen und öffentlichen Daten ein digitales Immobilienabbild, reduziert den Bedarf an Unterlagen und ermöglicht die Bewertung, Bonitätsprüfung und Finanzierungszusage in rund 30 Minuten statt sechs Tagen. Die finale Entscheidung trifft bislang weiterhin ein Mensch. Die Direktbank N26 analysiert mit einem KI-gestützten Betrugserkennungstool Zahlungen nahezu in Echtzeit und identifiziert verdächtige Transaktionsmuster binnen Millisekunden. Die Betrugsquote konnte um 80 Prozent gesenkt werden.
Investitionen in KI verbessern die Cost-Income-Ratio bei Banken
„Die digitalen Wettbewerber der klassischen Banken nutzen Investitionen in KI-Initiativen zur nachhaltigen Senkung ihrer Cost-Income-Ratio“, sagt Michaela Schneider, Partnerin bei zeb.Austria: „Bei regionalen Banken bleiben die strukturellen Kosten, die aus dem Betrieb des Filialnetzes bzw. auf personalintensiven Prozessen beruhen, weiterhin bestehen.“ Ein echter Wettbewerbsnachteil, den es aufzuholen gilt.
Schon heute sind digitale Services für 70 Prozent der Bankkunden – über alle Altersgruppen hinweg – von großer Bedeutung. An die 40 Prozent der Bankkunden bevorzugen dabei den Mobilkanal. In der Praxis bedeutet das eine rasante Entwicklung hin zu „digital only“ als relevantem Eingangskanal in Standardfällen. Die menschliche Interaktion wird zunehmend zum Exklusivitätsfaktor. Laut zeb-Analyse wird es in Zukunft zwei Arten von Banken geben: Banken, die KI einsetzen, bei denen die künstliche Intelligenz ein zusätzliches Werkzeug bleibt und jene Banken, die um KI herum gebaut sind. Bei ihnen wird Künstliche Intelligenz zum zentralen Betriebssystem der Bank.
Produktivitätszuwachs allein im Softwareengineering von 20 bis 45 Prozent
Simon Mühlon: „Die strategische Antwort von Regionalbanken auf diese Entwicklung kann nicht in einer einzelnen Initiative liegen. Kundengeschäft, Entscheidungsintelligenz, Produktivität und Skalierung sowie Automatisierung und Industrialisierung von Prozessen sind eng miteinander verbunden.“ Diese vier Dimensionen adressieren unterschiedliche Potenziale, haben gegenseitige Abhängigkeiten und können parallel entwickelt werden. Mühlon: „Wichtig ist, dass es eine strategische Priorisierung gibt. So ändert sich etwa die Skalierungslogik beim Betriebsmodell von Regionalbanken. Die Automatisierung von Prozessen wird durch KI industrialisiert. Dadurch wird Wachstum ohne proportionalen Kostenzuwachs möglich – wie sich schon heute bei den Digitalbanken zeigt.“ Die zeb-Experten kommen zum Schluss, dass der KI-bedingte Produktivitätszuwachs allein im Softwareengineering bei 20 bis 45 Prozent liegt.
Strategische Ausrichtung statt ständig neuer Use-Cases
Eine erfolgreiche KI-Integration gelingt nur mit klar definierten Verantwortlichkeiten und einer exakten Priorisierung der Aufgaben „KI wird den Vertrieb von punktuellen Abschlüssen hin zu kontinuierlicher, skalierbarer Wertschöpfung verlagern“, ist Schneider überzeugt. Um diese strategischen Herausforderungen anzupacken, gilt es jetzt zu handeln. Die Herstellung von KI-Readiness in einer Regionalbank entsteht nicht durch neue Use-Cases – sondern durch Standardisierung, abteilungsübergreifenden End-to-End-Prozessen und durch den Einsatz von skalierten Bausteinen mit messbarer Wirkung.
Mehr zur zeb-Analyse inkl. Downloadmöglichkeit und Videos: „Das Ende des klassischen Retailbankings: Wie KI die Spielregeln neu schreibt.“
Über zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh
Als führende Strategie-, Management- und IT-Beratung bietet zeb Österreich seit 2001 Transformationskompetenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Bereich Financial Services in Europa. Mit dem Hauptsitz in Deutschland (Münster) unterhält zeb insgesamt 15 weitere Büros an internationalen Standorten europaweit. Zu den Kunden zählen neben europäischen Groß- und Privatbanken auch Regionalbanken und Versicherungen sowie Finanzintermediäre aller Art. Bereits mehrfach wurde zeb in Branchenrankings als „Bester Berater“ der Finanzbranche klassifiziert und ausgezeichnet.
Hinweis: zeb.Austria legt großen Wert auf Diversität und die Gleichberechtigung aller Geschlechter. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher, weiblicher und diverser Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.
Aus Sicht von Himmelhoch
Für Beratungsunternehmen ist Fachwissen die Grundlage ihrer Positionierung. Sichtbar wird es, wenn Expert:innen Entwicklungen erklären und deren Bedeutung für konkrete Branchen einordnen. Die Analyse von zeb.rolfes.schierenbeck.associates zeigt am Beispiel von KI im Bankgeschäft, wie sich Beratungsexpertise anhand von Zahlen, Praxisbeispielen und strategischen Fragen vermitteln lässt. Bei Himmelhoch sehen wir darin einen zentralen Ansatz für die Expertenpositionierung: Medienarbeit sollte Fachwissen so aufbereiten, dass sein Nutzen auch außerhalb der eigenen Fachwelt verständlich wird.
