Himmelhoch

Jobkiller KI? Was sich in Unternehmen wirklich verändert

JobkillerAI bei Reden in der Eden (c) leadersnetat C M Stowasser

Auf den Punkt gebracht

Unsere Geschäftsführerin Eva Mandl führte für die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien durch „Reden in der Eden“ am 20. Oktober 2026. Zu Gast in der voll besetzten Wiener Eden Bar war Gerhard Kürner, Gründer und CEO von 506.ai sowie Autor des Reports „Work After AI“, in dem er die Auswirkungen Künstlicher Intelligenz auf Arbeit und Unternehmen untersucht.

  • Fakten statt Bauchgefühl: Kürners Report „Work After AI 2026“ basiert auf 141 geprüften Quellen – von amtlichen Statistiken bis zu Unternehmensbefragungen.
  • Zeitersparnis allein reicht nicht: Damit KI wirtschaftlichen Nutzen bringt, müssen Unternehmen auch Prozesse, Zuständigkeiten und Freigaben anpassen.
  • Nachwuchs braucht Lernmöglichkeiten: Wenn KI Einstiegsaufgaben übernimmt, müssen Unternehmen den Aufbau von Erfahrung bewusst ermöglichen.
  • Kommunikation braucht einen klaren Mehrwert: Für Agenturen stellt sich die Frage, welche Kompetenzen und Leistungen Kund:innen künftig besonders brauchen.

Fachgruppe Werbung der WKW Business-Talk: Reden in der Eden vom 20. Oktober 2026

Kaum eine Technologie weckt so große Erwartungen und Befürchtungen wie Künstliche Intelligenz. Doch was davon hält einer Überprüfung stand? Bei „Reden in der Eden“ am 20. Oktober 2026 lud die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien dazu ein, die Debatte auf Basis von Fakten zu führen. Zu Gast in der bis zum letzten Platz gefüllten, legendären Eden Bar war Gerhard Kürner, der für seinen Report „Work After AI 2026“ amtliche Statistiken, wissenschaftliche Studien und Unternehmensbefragungen auswertet. Im Mittelpunkt stand, was sich über die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt tatsächlich belegen lässt und welche Schlüsse Unternehmen daraus ziehen können.

Für die einen ist KI der Jobkiller schlechthin, für die anderen das Versprechen auf mehr Produktivität und wirtschaftlichen Erfolg. Dazwischen liegen viele Überzeugungen, aber oft wenig belastbare Grundlagen. Gerhard Kürner setzt hier mit seinem Report „Work After AI 2026: Der große Irrtum vom Jobkiller KI“ an. Die aktuelle Fassung beruht auf 141 geprüften Quellen – von amtlicher Statistik über wissenschaftliche Forschung bis zu Nutzungsdaten der KI-Anbieter und Unternehmensbefragungen. Statt Erwartungen mit Ergebnissen gleichzusetzen, prüft Kürner, welche Veränderungen sich bereits messen lassen. Auch seine eigenen Einschätzungen stellt er auf den Prüfstand. Neun konkrete Prognosen sollen anhand festgelegter Kriterien überprüfbar machen, ob er mit seiner Analyse richtigliegt.

Für die Kommunikationsbranche eröffnet dieser Zugang eine sachliche Auseinandersetzung mit Fragen, die viele Betriebe unmittelbar beschäftigen: Welche Aufgaben verändert KI tatsächlich? Wo entsteht wirtschaftlicher Nutzen? Und welche Entscheidungen müssen Unternehmen heute treffen, um ihre Teams und Leistungen weiterzuentwickeln?

Nicht jede Stellenstreichung ist ein Beleg für Automatisierung

Kürners Ausgangspunkt: Wenn ein Unternehmen Personalabbau mit KI begründet, ist damit noch nicht nachgewiesen, dass die Technologie diese Arbeit tatsächlich übernommen hat. In seiner Analyse unterscheidet er deshalb zwischen den Begründungen großer Abbauprogramme und den gemessenen Auswirkungen in Betrieben, die KI einsetzen. Hinter einer als technologische Modernisierung dargestellten Kürzung können auch wirtschaftlicher Druck und klassische Restrukturierung stehen. Für Unternehmen macht diese Unterscheidung einen wesentlichen Unterschied. Wer auf Schlagzeilen reagiert, statt die eigenen Aufgaben und Abläufe zu prüfen, zieht möglicherweise die falschen Schlüsse für Personal und Organisation.

Schnellere Texte sind noch kein besseres Betriebsergebnis

Dass einzelne Mitarbeitende mit KI schneller arbeiten, bedeutet noch nicht, dass das gesamte Unternehmen davon profitiert. Kürner beschreibt eine Lücke zwischen erfolgreichen Tests und dem dauerhaften Einsatz im Betrieb. Damit aus eingesparten Minuten ein wirtschaftlicher Nutzen wird, müssen auch Prozesse, Zuständigkeiten und Freigaben angepasst werden. „KI kann sich heute jedes Unternehmen ins Haus holen. Wie das Team damit wirklich besser arbeitet, muss es aber selbst herausfinden und lernen.“, erklärt Kürner. Die Einführung von KI ist damit wesentlich eine Führungsaufgabe.

Wer bildet die Erfahrenen von morgen aus?

Eine weitere Herausforderung sieht Kürner beim Berufseinstieg. Wenn KI zunehmend jene Ausführungsarbeiten übernimmt, an denen junge Mitarbeitende bisher gelernt haben, verändert sich auch der Weg zum beruflichen Können. Ergebnisse von Maschinen zu prüfen und zu verantworten, verlangt Erfahrung, doch diese muss zunächst aufgebaut werden. Unternehmen, die Einstiegsstellen streichen, riskieren deshalb, sich den eigenen Nachwuchs zu nehmen. Kürner plädiert dafür, Ausbildung und praktische Verantwortung bewusst miteinander zu verbinden.

Die Kommunikationsbranche muss ihren Mehrwert neu bestimmen

Marketing zählt in Kürners Report zu jenen Bereichen, an denen der organisatorische Umbau besonders früh sichtbar wird. Für Agenturen und Kommunikationsprofis berührt das unmittelbar das eigene Geschäftsmodell: Wenn KI mehr von der Umsetzung übernimmt, worin liegt künftig der besondere Wert ihrer Leistungen? Welche Kompetenzen müssen Teams stärken? Und für welchen Mehrwert werden Kundinnen und Kunden auch weiterhin bezahlen?

Diese Fragen standen ebenso auf dem Programm wie die aktuelle Sicherheitsdebatte rund um selbstständig handelnde KI-Systeme. Denn mit neuen Einsatzmöglichkeiten wächst auch der Bedarf, Verantwortung und Kontrolle zu klären.

Durch den Business-Talk führte Eva Mandl für die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien. Anschließend boten Flying Buffet und Networking Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen. Denn bei aller Aufmerksamkeit für neue Technologien bleibt die Entwicklung der Menschen eine zentrale Aufgabe. Wer heute in die Fähigkeiten seines Teams investiert und dem Nachwuchs Raum zum Lernen gibt, schafft die Voraussetzungen dafür, dass KI auch langfristig einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann.

Gesehen wurden:
Alexandra Vetrovsky-Brychta (DMVÖ), Eva Mandl (FG Werbung und Marktkommunikation Wien und Himmelhoch), Louisa Böhringer (Personal Branding Wien), Dieter Scharitzer (WU Wien), Robert Sobotka (FMVÖ und VMÖ), Gerhard Günther (DSR Agency), Alexa Dornauer (REWE), Maximilian Mondel (Momentum Wien), Florian Laszlo (Observer), Michael Straberger (Österreichischer Werberat, #ethicalAD und MS-Alliance), Jürgen Colombini und Jörg Fessler (UNIQUE Werbeagentur), Martin Bredl (Take Off), Simone Kraft (sk kraft consulting), Michaela Dietl-Drack (Bankhaus Spängler), Christian Rauscher (Emotion Banking), Andreas Schmölzer (pilotFilm), Mario Rossori (Rossori Music Promotion)

Gerhard Kürner
Gerhard Kürner ist Autor und unabhängiger Forscher von „Work After AI“, dem jährlichen Report über die tatsächliche Wirkung künstlicher Intelligenz auf Arbeit, Organisationen und Unternehmenssoftware. Seine Forschung ist eigenfinanziert, an keinen Anbieter gebunden und wird an eigenen, überprüfbaren Prognosen gemessen. Als Gründer und CEO von 506.ai kennt er die Umsetzung aus der Praxis. Zuvor war er 14 Jahre bei voestalpine tätig und dort für den Bereich Global Corporate Communication verantwortlich.

Aus Sicht von Himmelhoch

Ein schneller geschriebener Text ist noch kein wirtschaftlicher Erfolg. Gerhard Kürners Vortrag hat deutlich gemacht, wie viel davon abhängt, was nach der Zeitersparnis passiert: Werden Freigaben angepasst? Entsteht mehr Raum für Beratung und Ideen? Können Teams die Ergebnisse fundiert beurteilen? Gerade die letzte Frage führt direkt zur Ausbildung. Wenn KI jene Aufgaben übernimmt, an denen Berufseinsteiger:innen bisher gelernt haben, braucht es neue Möglichkeiten, Erfahrung aufzubauen. Für die Kommunikationsbranche gehört deshalb beides zusammen: den Einsatz von KI weiterzuentwickeln und Menschen die Zeit und Verantwortung zu geben, an denen ihr Urteilsvermögen wachsen kann.